Die Ostsee ist kein Ententeich

Das Hawaiian Sportfestival 2015 mit Wind & Welle

Das die Ostsee stürmisch sein kann haben die beiden Ausleger-Kanu-Paddler Christoph Schröder und Jens Steffen bereits 2011 feststellen müssen, als das Hawaiian Sportfestival damals aufgrund zu hoher Wellen und Sturm abgesagt werden musste.

Um top vorbereitet zu sein waren die beiden Kanuten in diesem Jahr sogar 3 Tage vor der Regatta nach Rerik in Meckenburg-Vorpommern gereist um unter den örtlichen Bedingungen ausgiebig zu trainieren.

Schon den Anreisetag nutzten sie mit einer 10 Km langen Ausfahrt vor der Halbinsel Wussow und „spielten“ bei 3 Windstärken mit den kleineren Wellen.

„Für den zweiten Tag haben wir uns eine 16 Km-Tour entlang der Küste vorgenommen“, berichtet Christoph Schröder: „um mit dem Wind und der Welle  bis nach Kühlungsborn zu paddeln.“

Dafür wurde zunächst das Auto zu dem bekannten Seebadeort vorgebracht und mittels eines Überlandbusses gelangten die beiden Kanuten wieder zu ihrem Startort zurück.

„Der ersehnte Downwind-Trip entwickelte sich leider dann doch zu einer recht anstrengenden Trainingseinheit, da uns zwar der Wind mehr oder weniger gut voran trieb aber die teils über einen Meter hohen Wellen von der linken Seite ständig gegen den Ausleger drückten und die Fahrt zu einem echten Balanceakt werden ließen“, berichtet Jens Steffen weiter. „Zu guter Letzt setzte auch noch starker Regen ein und der Wind legte bis auf 6 Bft. zu, wodurch die Wellen auch schon mal mehr als 1,5 Meter erreichten.“

Den dritten Trainingstag nutzte Jens St. noch um den Bootstrimm zu verbessern, da die weitere Wetterentwicklung auch für den eigentlichen Regattatag sehr windiges und welliges Wetter versprach.

Und so war es dann auch. Nachdem es am Vormittag noch geregnet hatte, kam pünktlich zu Mittag die Sonne heraus und bot den ca. 60 startenden Kanuten in den beiden Bootsklassen Surfski und Outrigger-Canoe, sowie zahlreichen Zuschauern auf der Seebrücke, gute Regattavoraussetzungen.

„Die Bedingungen waren sehr anspruchsvoll“, erinnert sich Christoph Sch.:“ Beim Start standen alle Kanuten  an der Wasserkante und mussten mit ihren Booten ins Wasser laufen, wo es dann 4 bis 5 Brandungswellen zu überwinden galt, bevor man die rollenden Wellen überhaupt erreicht. Leider hat auch mich eine dieser Weiss-Wasser-Wellen mit voller Wucht erwischt und mich von meinem Boot katapultiert.“

Jens Steffen hatte beim Start etwas mehr Glück mit den Wellen gehabt, wurde aber ebenfalls nach 2,5 Km von einer Welle ausgehebelt und fand sich in der 17 Grad kalten Ostsee wieder.

„Besonders die Umrundungen der Seebrücke waren sehr kritisch“, ergänzt Jens St.:“ da wir durch die Bojenlegung gezwungen waren immer wieder in den Brandungsgürtel ein- und auszufahren. Deshalb gehört neben fahrerischem Können auch eine gehörige Portion Glück, wie man mit dem Boot zurecht kommt  wenn die Brandung auf das quer liegende Boot trifft.“

„Kentern ist auf jeden Fall keine Schande – selbst den amtierenden Europameister hat es am diesem Tag 5 Mal „geflippt“ ,berichtet Jens St. weiter: “ Mit unseren Mittelfeldplatzierungen, unverletzt und ohne Materialschaden haben wir den Wellenritt gemeistert – und dafür sind wir ja auch die 400 Km hier her gekommen – auf der Werre oder auf Binnenseeregatten haben wir genug Ententeich-Bedingungen.“