Jens Steffen auf Wattenmeerfahrt

Die Tourenpläne hatte ich bereits Anfang des Jahres im Internet von der DKV-Seite herunter geladen, ausgedruckt und in unsere Bootsschuppentür ausgehängt. Aber wie das so ist – bei jedem Training läuft man daran vorbei und nimmt es kaum noch war. Und so kam es das ich eine Einladung des Kanu Club Norden, zu einer geführten Nordseetour für Seekajakfahrer, erst knapp zwei Wochen vor dem Termin wahr nahm. Kurzfristig meldete ich mich noch an.

Zwar passt mein Ausleger-Kanu nicht genau in das Paddelschema der Tourenpaddler auf See aber es ergeben auch nicht soviel Möglichkeiten im deutschen Wattenmeer zu paddeln.

Nach einer 3-stündigen Anreise, im teils heftigen Dauerregen am Freitagabend, verbrachte ich die Nacht im Vereinsheim.

Bereits um 6:30 Uhr am Samstagmorgen traf sich die 22-köpfige Paddelgruppe vor dem Bootshaus um gespannt vom Fahrtenleiter das Tagesziel zu erfahren.

Diese kurzfristige Planung soll für die Paddler nicht die Spannung erhöhen, sondern ist den sich ständig wechselnden Bedingungen gestundet.

Neben den zu beachteten Gezeiten, mit ab- oder auflaufenden Wasser, und den daraus resultierenden Strömungen, spielt auch die Windrichtung eine entscheidende Rolle welches Ziel in welcher Zeit erreicht und natürlich auch der Rückweg sicher zurück gelegt werden kann.

„Nordseeinsel JUIST“, verkündete der Tourleiter:“ incl. Umrundung der Ostspitze bis zum Ort auf der Seeseite! “

Ein tolles Ziel, dachte ich mir, da ich auf dieser Insel erst im letzten Jahr meinen Urlaub verbracht hatte (aber „nur“ mit einem unserer Vereins-StandUp-Boards, was einen Outrigger nicht wirklich ersetzt).

Gleich nach der Besprechung machte sich der Autotross auf nach Norddeich um vom Sportboothafen aus zu starten.

Um 7:30 Uhr waren dann alle Kanuten auf dem Wasser und fuhren entlang der fast 2 Kilometer langen Mole, entlang der Schiffahrtsbetonnung ins Wattenmeer, wobei zwei Inselfähren  im Begegnungsverkehr für den ersten Wellengang sorgten.

Aber optimale Wetterbedingungen, ganz anders als am Vortag, bei blauem Himmel, Sonnenschein und einer leichten Gegenwindbrise, paddelte die Gruppe von der einsetzenden Ebbe unterstützt, der längsten ostfriesischen Insel entgegen.

Bei der Umrundung der Ostspitze Juist’s wurden die Paddler von den neugierigen Knopfaugen einiger Seehunde beobachtet – solche Begegnungen erleben diese auch nicht häufig in ihrem Revier.

Nach zweieinhalb Stunden stand das Anlanden am Strand auf dem Programm.

Für viele Paddler kein ganz leichtes Unterfangen durch die Brandung den Strand zu erreichen.

Dabei kam es auch zu zwei Kenterungen, was aber bei den gut ausgerüsteten Seekajakfahrern nicht zu weiteren Problemen führte, da sie neben Wechselbekleidung („ziehe ich jetzt nur einen Pullover an oder reicht ein Tshirt und ich nehme die Übergangsjacke mit beim Strandgang“) auch technisch auf solche Situationen vorbereitet waren.

Die Zeit des „Landgangs“ wurde von den Kanuten für eine Dünenwanderung in den Ort und einer kleinen Stärkung im Strandcafe genutzt.

Mit der kommenden Flut, und dem somit auflaufenden Wasser, wurde der 16 Kilometer lange Rückweg in Angriff genommen.

Wie schon auf dem Hinweg nutzte ich mit seinem schnellen Auslegerkanu die guten Wind- und Wellenbedingungen für keine „surfs“ und umrundete dabei mehrere Male die gesamte Gruppe.

„Wir fühlen uns wie von einem Hütehund beschützt“, bekam ich von seinen Tourbegleitern dabei anerkennend zu hören.

Bereits nach eindreiviertel Stunden, begünstigt durch Strömung und Rückenwind, erreichten die Paddler Norddeich.

Ein toller, erlebnis- und abwechslungsreicher Ausflug ins Wattenmeer ging zu Ende.

Für mich gleichzeitig ein erster kleiner „Wind & Wellen“-Test für die anstehende Regatta, dem Hawaiian Sportsfestival in Rerik auf der Ostsee im Juni.